Alles wird grün und bunt!
Die Begrünung unserer Weingärten
In den letzten fünf Jahren haben wir kräftig mit Bepflanzungen zwischen den Rebstöcken experimentiert. In diesem Sommer haben wir die Entscheidung getroffen und uns unmittelbar nach der Ernte an die Arbeit gemacht: In Zukunft wird alles grün und bunt zwischen unseren Rebstöcken. Und in zwei Jahren wollen wir weitestgehend auf eine Düngung (insbesondere mit Stickstoff) unserer Böden verzichten.
Zum Hintergrund: Für das Wachstum der Reben und die Qualität des Weins ist ausreichend Stickstoff in den Böden von entscheidender Bedeutung. Um die Stickstoffentnahme durch die Produktion von Trauben und Holz sowie natürliche Verluste auszugleichen, werden die Felder daher klassischerweise jährlich mit Stickstoff gedüngt. Auch wenn der absolute Stickstoffbedarf der Weinrebe im Vergleich zu anderen Kulturen eher gering ist, gibt es ein Problem: Pflanzen nehmen Stickstoff hauptsächlich in Form von Nitrat auf, dass im Gegensatz zu anderen Nährstoffen nicht im Boden gebunden wird. Verbleibt Nitrat ungenutzt, kann es durch Regen ausgewaschen werden, in das Grundwasser gelangen und das Trinkwasser verunreinigen.
Mit der Begrünung unserer Weingärten wollen wir die Humusproduktion anregen. Humus (die abgestorbene organische Substanz in der obersten Schicht des Bodens) verbessert die Fruchtbarkeit der Böden. Insbesondere ermöglicht seine Mineralisierung auch eine natürliche Bindung von Stickstoff (aus der Luft) für den Bedarf der Reben. Zusätzlich verbessert Humus die Wasserspeicherkapazität der Böden, schützt vor Erosion bei Trockenheit oder Starkregen und verhindert so die Freisetzung von Stickstoff in Form von Nitrat.
Warum machen das nicht alle Winzer? Viele Experten raten von einer dauerhaften Begrünung aller Reihen zwischen den Weinstöcken ab. Sie befürchten vor allem eine übermäßige Konkurrenz um Wasser, Mineralien und Stickstoff, negative Einflüsse auf die Gesundheit der Reben durch Wühlmäuse und zu wenig Platz für unterschiedliche Wurzeltiefen der Reben.
Was machen wir konkret? Jede zweite Reihe bepflanzen wir permanent (für mindestens zehn Jahre) mit einer eigens für uns komponierten Mischung aus Leguminosen (Klee, Erdbeeren, Luzerne, Wicken...), die große Mengen an Stickstoff in ihrem Wurzelsystem binden können. Diese Bepflanzungen werden wir im Frühjahr auch nicht unterpflügen. In den anderen Rebzeilen erfolgt die Aussaat einer sog. Winterbegrünung aus wilden Gräsern und Roggen. Um die "Konkurrenz" im Griff zu halten und ein Wurzelwachstum in die Tiefen zu ermöglichen werden wir diese Reihen im Frühjahr, wenn die Triebe das alte Holz verlassen haben, pflügen. Damit wird der hier gebundene Stickstoff sofort für die Reben verfügbar.
Neben dem Verzicht auf die Düngung und den Vorteilen in Bezug auf Wasserspeicherung, Bodenerosion und Biodiversität versprechen wir uns von der vollständigen Begrünung noch einen weiteren, nicht agronomischen, aber nachhaltigen Effekt: Eine nennenswerte "CO2-Fixierung" ("carbon-capturing") im Bereich der permanenten Bepflanzungen. Nachdem wir seit 10 Jahren bio-zertifiziert sind, werden wir nun also im wahrsten Sinne im Weinanbau "ganz grün".